Wieso reisen wir?

Mein Name ist Kerstin Heuwinkel und ich bin Tourismussoziologin. Das bedeutet, dass ich mich mit den Wechselwirkungen von Gesellschaft und Reisen beschäftige – als Professorin in der Lehre, als Autorin in Büchern und Zeitschriften oder auch als Speakerin bei Podiumsdiskussionen, Key Notes und Workshops.

Mich faszinieren Menschen auf Reisen und die damit verbundenen Verhaltensweisen, da wir auf diese Weise viel über uns lernen können. Nur wenn wir verstehen, was in Menschen vor sich geht, können wir Ansätze für einen verantwortungsvollen Tourismus entwickeln und die Perspektive der Locals mit einbeziehen.

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Fotograf: Mats Karlsson

„Je enger sich das Leben anfühlt, desto dringender brauchen wir das Reisen.“

Über mich

Ich bin seit 2005 Professorin für Internationales Tourismus-Management, insbesondere Tourismussoziologie, an der htw saar und lehre u.a. Tourismussoziologie, nachhaltiges Freizeit-, Sport-, Tourismus-Management und Kulturmanagement. Meine aktuellen Forschungen liegen im Bereich der Digitalen Transformation im Tourismus, der sozialen Nachhaltigkeit (insbesondere Gender Equity) und der Familienreiseforschung. Ausgangspunkt für meine Arbeiten ist mein interdisziplinärer Hintergrund, im Wesentlichen die Kombination von Soziologie mit der Informationswissenschaft.

Ich bin Autorin mehrerer Bücher und Publikationen und halte regelmäßig Vorträge auf Konferenzen. Auch in den Medien bin ich zu finden. Wichtig ist mir die Vorstandsarbeit in der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft DGT e. V., im wissenschaftlichen Beirat von Futouris e. V. und im Arbeitskreis Tourismusforschung der Deutschen Gesellschaft für Geographie e. V.  Die Zusammenarbeit mit ECPAT Deutschland e. V. liegt mir besonders am Herzen.

Von 2002 bis 2005 leitete ich eine Arbeitsgruppe am Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik und promovierte 2004 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zuvor studierte ich in Düsseldorf und Barcelona eine Kombination aus Soziologie, Informations- und Politikwissenschaft. Geprägt hat mich vorab die Ausbildung zur Buchhändlerin.

Meine Themen: Reisen und Gesellschaft

Tourismussoziologie ist spannend, weil sie sowohl theoretische als auch datenbasierte Zugänge zum Reisen ermöglicht. Wir können sowohl über Individuen und Gruppen als auch über Gesellschaften nachdenken. Neben dem Blick auf die Reisenden und die Menschen, die im Tourismus arbeiten, sollten wir ebenfalls auf die Locals schauen – sowohl auf diejenigen, die einen direkten Bezug zu Reisenden haben, als auch auf jene, die irgendwie betroffen sind.

Auch wenn die Themen wechseln und neue hinzukommen, kreisen meine Gedanken regelmäßig um die folgenden Fragen:

Copyright @Christian Wyrwa/fvw|TravelTalk Kongress.

„Warum reisen Menschen und wieso bleiben sie nicht einfach zuhause?“

Diese Frage wird mir regelmäßig gestellt und eine einfache Antwort darauf existiert nicht. Um das Verhalten von Reisenden verstehen zu können, hilft ein Blick in die Reisemotivforschung. Diese untersucht die mit Urlaub und Reisen verbundenen Erwartungen. Einen großen Einfluss haben dabei Bilder sowie Erzählungen, zum Beispiel über den Traumstrand, die Luxusunterkunft oder das Mega-Abenteuer. Es geht um gemeinsame Zeit mit der Familie, um Sonne, Kultur, Sport und Natur, Ausschlafen und ein wenig Luxus, der auch darin bestehen kann, allein unterwegs zu sein. Hinzu kommt, dass viele von uns mit dem Reisen groß geworden sind, und nicht zuletzt ist ein Urlaub ein Status-Symbol.

 
 

 

„Solo (Female) Travel – was sind Motive und Hindernisse für eine Reise allein?“

Der Anzahl der Alleinreisenden – Solo Travel – steigt. Das gilt insbesondere für Frauen. In den vergangenen Jahren haben sich zentrale gesellschaftliche Entwicklungen deutlich auf das Reiseverhalten von Frauen ausgewirkt. Sie sind heute selbständiger, verfügen über ein höheres Einkommen und über mehr Reiseerfahrung. Gleichzeitig sind 77 % von ihnen erwerbstätig, wobei rund die Hälfte in Teilzeit arbeitet – bei Männern liegt die Erwerbsquote bei etwa 85 %. Diese Konstellation führt häufig zu einer doppelten Belastung, die unter dem Begriff Mental Load diskutiert wird. Hinzu kommen strukturelle Ungleichheiten wie der Gender Care Gap von 43,5 % sowie der weiterhin bestehende Gender Pay Gap von 16 %, der sich ebenso in Renten- und Gesundheitslücken widerspiegelt.

Diese Rahmenbedingungen beeinflussen auch das Reiseverhalten. Viele Frauen verfügen heute über mehr Potenzial und Motivation zu reisen, gleichzeitig wächst der Wunsch nach Ausgleich zu den vielfältigen Verpflichtungen des Alltags. Reisen (allein) wird als Raum für einen Selbst verstanden – mit einem klaren Fokus auf das eigene Wohlbefinden.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen Herausforderungen fort. Finanzielle Aspekte spielen weiterhin eine Rolle, ebenso wie persönliche Sicherheitsbedenken oder kritische Reaktionen aus dem sozialen Umfeld.

„Wie gelingt ein erholsamer Familienurlaub?“

Viele Eltern wünschen sich im Urlaub vor allem Erholung und gemeinsame Zeit – erleben jedoch häufig das Gegenteil. Das liegt unter anderem an sehr hohen Erwartungen: Endlich soll Raum für Nähe entstehen, für besondere Erlebnisse und für all das, was im Alltag zu kurz kommt. Gleichzeitig möchten sich viele Familien im Urlaub Dinge gönnen, die sonst nicht möglich sind. Hinzu kommt der subtile Druck durch soziale Medien, die perfekte Bilder und scheinbar mühelose Familienharmonie vermitteln.

Um die unterschiedlichen Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern besser zu vereinbaren, empfiehlt es sich, schon vor der Reise miteinander ins Gespräch zu gehen. Was wünscht sich jede Person? Was braucht es, damit sich alle wohlfühlen? Ein einfacher Plan kann helfen: Wer möchte was erleben, und wer übernimmt welche Aufgaben? Wichtig ist außerdem, bewusst verschiedene Zeiträume einzuplanen – Zeit für mich, Zeit für uns als Paar und Zeit für alle gemeinsam.

Grundsätzlich eignen sich alle Reiseformen, die Freiräume ermöglichen. Entscheidend ist weniger die Art der Reise als die Frage, ob sie genügend Platz für unterschiedliche Bedürfnisse lässt. Familienfreundliche Unterkünfte zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen adressiere und ernst nehmen – und entsprechende, authentische Angebote machen.

Für Eltern selbst gilt: Wenn möglich, die gemeinsame Zeit bewusst genießen und sich immer wieder vor Augen führen, wie schnell diese Phase vorbeigeht. Es lohnt sich, besondere Momente zu schaffen – und gleichzeitig zu akzeptieren, dass im Urlaub nicht alles perfekt sein muss. Oft ist weniger mehr.

Kirsten Harms und Kerstin Heuwinkel haben im Buch Familienreisen zahlreiche Informationen und Checklisten veröffentlicht.

„Warum verhalten sich Menschen im Urlaub häufig so seltsam und weshalb ist es schwierig verantwortungsvoll zu reisen?“

Der Alltag ist durch viele Regeln und erwartete Verhaltensweisen geprägt. Abweichungen sind nur bis zu einem gewissen Maße erlaubt. Im Urlaub werden durch die Anonymität und die Ausnahmesituation („Mallorca ist nur einmal im Jahr“) Hemmschwellen verschoben und damit Räume geschaffen, sich selbst neu zu begegnen. Allerdings sollten dabei immer Rücksicht genommen werden. Mehr zum abweichenden Verhalten im Buch „Tourismussoziologie“.

„Wieso sind Natur und Outdoor-Aktivitäten (bei Frauen) so beliebt?“

Je mehr unser Alltag in digitalen Welten stattfindet, desto mehr wünschen wir uns den Kontakt zur „Natur“. Im Bereich Outdoor-Sport und Wandern zeigt sich, wie stark Bewegung, Natur und körperliche Aktivität für viele Menschen an Bedeutung gewonnen haben. Laut Bundesinstitut für Sportwissenschaft entfallen rund 25 % aller sportlichen Aktivitäten auf den Outdoor-Bereich. Wandern zählt dabei zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten: 80 % der Deutschen wandern, und im Deutschen Alpenverein liegt der Frauenanteil bei 43,5 %. Bevorzugte Wanderregionen von Frauen sind vor allem die Tiefebenen (41 %), Mittelgebirge (31 %) und Küstenregionen (22 %), während Hochgebirge mit 6 % eine geringere Rolle spielen.

Die wichtigsten Motivationen für Frauen beim Wandern sind das Naturerleben (83 %), das Bedürfnis, aktiv zu sein (76 %), das Gefühl von Freiheit (75 %) sowie die Möglichkeit, den Kopf freizubekommen (rund 70 %). Damit wird deutlich: Outdoor-Aktivitäten bieten vielen Frauen genau den Ausgleich, den sie im Alltag oft vermissen – und schaffen Räume, in denen Selbstbestimmung, Erholung und persönliche Entfaltung im Mittelpunkt stehen.

Im Projekt „Allein zu Gast in Bayern“, das vom Bayerischen Zentrum für Tourismus gefördert wird, analysieren wir (htw saar und Hochschule München) die Nachfrage von alleinreisenden Frauen unter besonderer Berücksichtigung des Sicherheitsempfindens beim Wandern.

Mehr dazu im Beitrag von Kerstin Heuwinkel und Markus Pillmayer #MeToo in hiking activities

„Spontan oder geplant – Welche Reisetypen gibt es und womit sind Menschen glücklicher?“

Wenn es um die Frage der Urlaubsplanung geht „spontan oder geplant“ spreche ich am liebsten von einem Kontinuum zwischen „Ich bin dann mal weg!“ und „Nicht ohne meine Checkliste“. Einflussfaktoren sind innere Merkmale – wie Persönlichkeit und Reiserfahrung – und Rahmenbedingungen – wie zeitliche Flexibilität und Merkmale der Destination bestimmt. Wichtig ist ebenfalls die Verantwortung: wenn ich Urlaub nicht nur für mich, sondern für andere plane, muss ich mir zu ihnen Gedanken machen und unter Umständen mehr planen, als wenn ich allein verreise.

Fazit: Die meisten Menschen werden sich irgendwo zwischen spontan und geplant bewegen. Interessant sind Reisen mit dem Wohnmobil.

Wiederkehrende Themen haben zu Büchern (interner Verweis) wissenschaftlichen Beiträgen und Interviews in Print, Radio, Podcast und Fernsehen geführt (Interner Verweis).

 
 

 

Autorin

Bücher

Eine Patchworkfamilie mit jugendlichen Kindern stellt andere Anforderungen an den Urlaub als ein junges Paar mit Säugling. Genau darin steckt die Herausforderung für die Tourismuswirtschaft. Kirsten Harms und Kerstin Heuwinkel stellen das Phänomen Familienurlaub vor. Konkret gehen sie u. a. auf die Reisemotive, die Bedürfnisse und die Reiseentscheidung ein. Auch die Angebotsgestaltung, z. B. die Anreise, Unterkunft, Freizeitgestaltung und Verpflegung, lassen sie nicht außer Acht.

Tourismus und Gemeinschaft verantwortungsvoll gestalten  Tourismus verändert sich – ebenso wie die Gesellschaft. Globale Krisen und schwindende Ressourcen zwingen zum Umdenken. Und: Auch die Bevölkerung vieler Urlaubsregionen möchte Tourismus mitgestalten. Der Community-based Tourism wird als Gegenpol zum Massentourismus beschrieben. Kerstin Heuwinkel stellt das spannende Konzept sowie konkrete Formen in ihrem Buch vor und zeigt Möglichkeiten sowie Grenzen auf.

 
 

 

 

Tourismus nur durch die ökonomische Brille zu betrachten, greift zu kurz. Tourismus hat auch gesellschaftliche Effekte und wird durch gesellschaftliche Zustände beeinflusst. Schließlich agieren Besucher, Besuchte und touristische Dienstleister miteinander. Auf dieses Beziehungsgeflecht geht Kerstin Heuwinkel ein: Zu Beginn stellt sie tourismussoziologische Ansätze und Paradigmen vor und skizziert wichtige Methoden. Zudem vermittelt sie die Vielzahl von soziologischen Zugängen zum Tourismus – z. B. Rollen, Macht, Identität und Lebensstil. Darauf aufbauend zeigt sie soziologische Anwendungsfelder im Tourismus auf – u. a. die Bedrohung durch Natur und Menschen, die Mobilität, den Overtourism und die Digitalisierung.

 
 

 

 

Das Attribut „Frau“ als Genderzuordnung macht einen Unterschied – in vielen Bereichen. Dies gilt auch im Tourismus. Kerstin Heuwinkel untersucht systematisch Geschlechterstereotype im Tourismus und diskutiert die damit verbundenen Konsequenz. Dieses Buch macht Frauen in der Tourismusindustrie, als Reisende und Betroffene, sichtbar und analysiert ihre jeweiligen Positionen, Abhängigkeiten und Handlungsalternativen. Ausgehend von soziologischen Konzepten deckt die Autorin genderbasierte Strukturen und Konflikte auf und entwickelt eine Perspektive für gendergerechte Lösungen.
Fallbeispiele und Interviews mit Frauen aus der Tourismuspraxis runden dieses Buch ab. Eine spannende Lektüre für Studierende, Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen im Tourismus, die zum Nachdenken anregt – auch über sich selbst

 
 

 

 

Auch wenn mir das Schreiben von Büchern besonders viel Spaß macht, nutze ich außerdem die Möglichkeiten, in wissenschaftliches Journals oder in Konferenzbeiträgen zu publizieren.

Hier geht es zu einer Übersicht meiner Veröffentlichungen

Medienauftritte

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Ich bin regelmäßig zu Gast im Rundfunk, bei Podcasts und manchmal auch im Fernsehen. Darüber hinaus stehe ich gerne als Interviewpartnerin für aktuelle Themen rund um das Reisen zur Verfügung. Nachfolgend einige aktuelle Beispiele:

Ausblick aufs Reisejahr 2026: Gespräch | NDR DAS! Rote Sofa | 27. April 2026

Reiseplanung – Expertin im Hörfunk | WDR 4 | 1. Februar 2026

Rückblick aufs Reisejahr – Interview mit Kerstin Heuwinkel | Deutschlandfunk | Sonntagsspaziergang (Deutschlandradio)| 28. Dezember 2025, 11:35 Uhr Sonntagsspaziergang

Urlaubslust und Reisefrust – Dokumentation | ZDF | 9. September 2025

Trend zum Campen Feature. Wo geht’s hier zur Freiheit?

Vorträge, Workshops & Diskussionen

2026

International Adventure Conference, Breda University (Juni 2026)
“Experience, adventure, and safety: Rethinking gendered challenges for (solo) female hikers in contemporary adventure spaces” (mit Dr. Elisabeth Bartl, Dr. Marie Aschenbrenner)

ITB Berlin: Mental Load im Urlaub?!

FAM-Symposium zum Filmtourismus an der htw saar: Vortrag und Podiumsdiskussion

2025

Workshop mit Kirsten Harms bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung e.V.

fvw Travel Talk: Drill, Baby, Drill – kommt Nachhaltigkeit unter die Räder?

2024

Thüringen Tourismus Tag – Keynote

Deutscher Reiseverband (DRV) Hauptstadtkongress Berlin: Teilnehmerin Podiumsdiskussion „Diversität und Empowerment“

DGT-Jahrestagung (November 2024): Vortrag und Beitrag im Tagungsband: „Murmelbahn, Mikroabenteuer und Multimedia – Trends bei Familienreisen“ (Kirsten Harms, Prof. Dr. Kerstin Heuwinkel)

Deutsche Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e. V.

Seit November 2024: Im Vorstand und Vizepräsidentin Mitglied seit 2011

Futouris e. V. Die Nachhaltigkeitsinitiative der Reisebranchenschaft e. V.

Seit April 2024: Mitglied im wissenschaftlichen Beirat Wissensaustausch, Einbindung in die Lehre, Workshops

ECPAT Deutschland e. V. Kinderschutz im Tourismus

Seit mehr als zehn Jahren Einbindung in die Lehre, Teilnahme an Workshops und Netzwerkveranstaltungen, Podiumsdiskussion auf der ITB

ATLAS Tourism and Leisure Education and Research

Seit 2026: Institutionelle Mitgliedschaft

Bayrisches Zentrum für Tourismus – Forschungsprojekt

Forschungsprojekt 2025/2026 gemeinsam mit Kolleg:innen der Hochschule München